Frohe Ostern - oder so
Der Einzelhandel jubelt.
Weihnachtsmänner sind out
Osterhasen sind in.
Passend dazu Schokoeier,
in allen Farben,
Größen
und Füllungen,
deren Kalorien
den einwöchigen Bedarf
eines Bauarbeiters abdecken.
Mutti hat endlich wieder einen Grund
die Wohnung neu zu dekorieren.
Letztes Jahr in Pastellgelb,
dieses Jahr ist rosa angesagt.
Die Deko spielt die Hauptrolle
in einem Werbespot
für Frühlingsgefühle
und klingende Kassen.
Und irgendwo zwischen
Schmunzelhase und Dekokitsch
fragt ein Kind:
"Warum machen wir das eigentlich?"
Die Erwachsenen erstarren,
als hätte das Kind nach den Geburtstagen
der Opfer der Titanic gefragt.
"Jaaaa, … es
ist halt Tradition."
"Und weil's Spaß macht."
"Weil… äh… der Hase…"
"und wegen der Ferien"
"und Feiertage…."
"Ne, da war was mit
Auferstehung!"
Nur wer oder was
war auferstanden?
Der Glaube?
Die Hoffnung?
Oder nur der Umsatz?
Während 70 Prozent der Deutschen
Ostern wie ein hochkalorisches
Deko‑Event feiern,
stehe ich da,
und sehe Menschen,
die lieber Schokolade
im Gras verstecken,
als einmal kurz
in sich selbst hineinzuhorchen.
Und sie merken nicht,
dass sie ein eierlegendes Kaninchen feiern,
das nie jemand gesehen hat
und das trotzdem jedes Jahr
für mehrere Wochen
den Einzelhandel dominiert.
Die richtige Antwort auf das "Warum"
bleibt für viele gut versteckt,
aber dafür haben sie
ein Überraschungsei gefunden.
Wenn das kein Grund ist
Ostern zu feiern.